Und wenn sie nicht gestorben sind…..: Das Genre der „Sandalenfilme“

Was denken Sie, wenn Sie den Begriff „Sandalenfilme“ hören? Richtig, spektakuläre B-Movies, wobei für den Buchstaben nach unten keine Grenzen gesetzt sind. Doch wie sind diese Sandalenfilme überhaupt entstanden?

Von Monumentalfilmen bis zur Persiflage

Natürlich – Sandalen trugen sie (fast) immer. Das Genre orientierte sich an erfolgeichen Monumentalfilmen der 1950er- und 1960er-Jahre. Ein Trendsetter wurde 1959 „Ben Hur“ von William Wyler, der 11 Oscars gewann und das spektakulärste Wagenrennen der Filmgeschichte enthält. Ebenso unvergessen sind die stahlblauen Augen von Kirk Douglas als Spartakus im gleichnamigen Film von 1960. Diese Filme wurden aus Kostengründen nicht in Hollywood gedreht, sondern vor allem in Italien. Der Produktionsaufwand war deutlich geringer, was den Erfolg nicht schmälerte. Später wurde das Genre durch eine Flut von schlechten Produktionen der Lächerlichkeit als Sandalenfilme preisgegeben. Dies schaffte aber auch die wunderbare Möglichkeit der Persiflage. Mit dem Werk „Das Leben des Brian“ ist dem britischen Komikerteam Monty Python um John Cleese 1979 eine einzigartige Parodie auf die religiöse Überfrachtung der klassischen Sandalenfilme gelungen. Danach schien das Genre im Wüstensand zu verdorren.

Aktuelle Produktionen

Der Riesenerfolg von Gladiator von Ridley Scott im Jahr 2000 verdankt seinen Erfolg neuen Filmtechniken. Ungewöhnliche Bildeinstellungen, Kamerafahrten und digitale Soundeffekte bringen einem das Gemetzel im Arenasand erschreckend nahe. Der 2004 folgende Monumentalfilm „Troja“ von Wolfgang Petersen profitierte auch von digitalen Filmtricks. So bestand die Flotte von 1000 Schiffen vor Troja aus nur fünf naturgetreuen Nachbauten. Auch dass sich populäre Schauspielerinnen und Schauspieler wie Diane Kruger, Brad Pitt und Orlando Blum nicht zu schade für diese Historienschmonzette im Fahrwasser der Sandalenfilme waren, trug zum Erfolg bei. Neben den üblichen blutigen Kämpfen und pseudohistorischer Aufarbeitung spielte die Liebestragik jetzt eine große Rolle.
Nach dem Erfolg von Genreserien im Fernsehen, etwa „Vampire Diaries“ in der Draculaabteilung, wollten die Sandalenfilmer nicht zurückstehen. Mit „Spartacus: Blood and Sand“ lief 2012 eine bekannte US-Fernsehserie im deutschen Fernsehen an. Hier wird auf für deutsche Sehgewohnheiten extreme Gewaltdarstellung und auch sexuelle Freizügigkeit gesetzt. Die zweite Staffel läuft in den USA bereits, allerdings musste der Hauptdarsteller Andy Whitfield, der an Krebs verstarb, ersetzt werden. So werden die Filmhelden wohl weiterlaufen, so weit die Sandalen sie tragen.

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