Ein Treffen zwischen Naturschützern und Sportlern geht in der Natur nicht immer emotionslos vonstatten.
Es kein Wunder, denn der Naturschützer will das “letzte Stück Natur” vor dem Menschen beschützen – andererseits wehrt sich aber der Sportler gegen die Ausgrenzung und Restriktion.
Der Naturschutz ist allerdings eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft, nicht die des Naturschützers oder der Naturschutzverbände. Daher müssen wir uns alle daran beteiligen und unsere Lebensgrundlage langfristig sichern.
Die Notwendigkeit des Naturschutzes kann niemand aberkennen, trotzdem hat es der Naturschutz in Deutschland nicht leicht. Warum hat also der Naturschutz so wenig Akzeptanz und was hat das mit Motocross, bzw. Enduro zu tun?
Der Mensch wird ja seit jeher, vom klassischen Naturschutz, als Feind eines intakten Ökosystems angesehen. Etliche Fallbeispiele dienen hierzu als nicht abstreitbarer Beweis.
Wenn dabei aber gefolgert wird, den Menschen aus der Natur auszusperren, ist man über das Ziel hinausgeschossen.
Pauschale, undifferenzierte Sperrungen von Gebieten, die vorher noch von Panzern, Baumaschinen, Holzvollernter u.ä. durchpflügt wurden, sind hierzu das Parade-Beispiel.
Wir alle sind nämlich nicht in die Natur gekommen, sondern aus ihr.
Bei Umfragen kommt aber immer wieder das Ergebnis zustande, dass wir Eindringlinge seien und deshalb sei die Natur vor dem Menschen zu schützen.
Diese Umfrage-Ergebnisse zeugen aber nur von einer naiv-verklärten Sicht dieses Themas und bringen keinen weiter.
Wir alle brauchen Natur-Erfahrungen, obwohl es für den Großstadt-Menschen eigentlich nicht mehr nötig ist, sich das Wissen über die Natur anzueignen.
Der Großteil der Menschheit lebt schließlich in Städten und außer einem Spaziergang durch den Stadtpark hat die Bevölkerung wenig mit Natur zu tun.
Gelegenheit für wirkliche Naturerfahrung gibt es daher meist nur selten und führt deshalb auch zu einer Entfremdung mit der dem Menschen umgebenden Umwelt.
Der Mensch, der sich aber von der Natur entfremdet, setzt sich nicht für den Erhalt derselben ein.
Deshalb müsste die These heißen: der Mensch muss in die Natur, um mehr über sie zu erfahren und den persönlichen Umgang damit zu überdenken.
Sport ist dabei sicher nicht der wichtigste Ansatz, aber dadurch kann man den Bezug zu Flora & Fauna wieder herstellen.
Durch den undifferenzierten Naturschutz ist nur der Graben zwischen Naturschützern und Sportlern tiefer geworden, obwohl beide annähernd die selben Ziele verfolgen.
Kein Kanu-, oder Ruderboot-Fahrer möchte seine Paddel in eine stinkende Kloake eintauchen, kein Wanderer möchte in eine zerstörte Landschaft seine Füße setzen – und so geht es auch uns Motor-Sportlern: auf einer Müllhalde zu fahren ist nicht besonders reizvoll.
Der Sport in der freien Natur bietet als einzigstes die Möglichkeit, Erholung und die Herausforderungen mit den Elementen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Und eben diese Erfahrungen sind für die Persönlichkeitsbildung von großer Bedeutung.
Der Drachenflieger in der Thermik, der Kajak-Fahrer im Wildwasser und eben der Enduro-Fahrer im Gelände – all diese Erfahrungen prägen den Menschen.
In Zeiten zunehmender Naturentfremdung sind diese Erfahrungen von zentraler Bedeutung – sie widersprechen dem Glauben an das grenzenlose Wachstum auf Kosten der Natur, sie schaffen einen Bezug zur Natur.
Ich habe deswegen kein schlechtes Gewissen, wenn ich mich in der freien Natur bewege. Die Frage muss nämlich lauten: wie verhalte ich mich gegenüber der Natur und wie kann ich mein Wissen umsetzen.
Naturschutz ist gleichbedeutend mit Lebensfreude und daher auch unsere Verpflichtung in dieser Richtung aktiv zu werden.
Der Sportler in der Natur ist nicht Gegner des Naturschutzes, sondern ein gleichgesinnter Partner.
Ihre Meinung?